Neuntöter (Erstbeobachtung)
Freitag, 06. Juni, es ist 6.30 Uhr in der Früh.
Ich schaue aus meinem Fenster im dritten Stock. Die Sonne scheint. Ein heller Vogel sitzt auf den Tannenspitzen vor dem Fenster und lässt sich sein Frühstück schmecken, ein Schnabelvoll Insekten.
Ich tippe zuerst auf Kleiber, will mich abwenden, stutze aber dann.
Der „Kleiber“ bleibt seelenruhig sitzen. Nanu, die turnen doch herum, laufen die Baumstämme auf und ab, kopfunter, kopfüber? Und sie sitzen auch selten so aufrecht auf einem Tannenzweig, sind doch eher gedrungen, irgendwie zusammengepresst? Und sie haben keinen so langen Schwanz?
Gebannt starre ich den Vogel durch das Glas an, versuche, mehr zu erkennen. Eine tiefschwarze Augenbinde, ein heller rosa schimmernder Bauch, dunkle Füße.
Eigentlich müsste ich gehen, die Arbeit ruft, doch noch immer beobachte ich den Vogel. Seelenruhig sitzt er da und lässt sich die Sonne auf den Pelz, öööööh, die Federn scheinen.
Allmählich komme ich auf die Idee, meinen Foto zu aktivieren. Langsam, um den Vogel nicht zu verscheuchen, robbe ich auf meine Kamera zu. Zeit, um das Objektiv zu wechseln, habe ich keine – ich muss auf die Arbeit.
Schnell mache ich ein paar Fotos mit meinem 70mm-Objektiv, Vollzoom, die Bilder werden scheibenkleister, das weiß ich jetzt schon, doch besser als nichts.
Nach der ersten „Beweissicherung“ das Fenster geöffnet, um kein Glas vor der Linse zu haben. Noch immer hockt der Vogel da und lässt sich von mir nicht stören.
Klick, klick, nochmal eine Handvoll Fotos. Die werden später ausgewertet, denke ich, habe aber schon den Neuntöter im Verdacht.
Den ganzen Tag muss ich an den Vogel denken, schaue mir auf Wikipedia Fotos an und fühle meinen Verdacht irgendwo in der Magengegend bestätigt.
Dann endlich die Fotoauswertung, und ja, in der Tat, es muss ein Neuntöter gewesen sein, ein prächtiges Männchen.
Mein zweiter Verdacht mit den Scheibenkleister-Bildern hat sich leider auch bestätigt…
Mein erster Neuntöter direkt vor dem Fenster
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